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Sundowning bei Demenz – wenn die Abendstunden Unruhe bringen

  • Autorenbild: Mefküre Ülker
    Mefküre Ülker
  • 4. Nov. 2025
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 31. Dez. 2025

Was bedeutet Sundowning bei Demenz und warum tritt es abends auf?


Der Tag neigt sich dem Ende zu, die Sonne geht unter – und mit ihr verändert sich oft auch die Stimmung vieler Menschen mit Demenz. Was tagsüber ruhig und vertraut war, kann am Abend in Unruhe, Reizbarkeit oder Angst umschlagen. Dieses Phänomen nennt man Sundowning – oder auch Abendverwirrtheit.


Für Angehörige und Pflegekräfte ist es eine der herausforderndsten Situationen im Alltag: Der Tag war ohnehin lang, die Kräfte schwinden – und genau dann beginnt die innere Unruhe.


Ältere Frau mit Demenz sitzt im Rollstuhl am Ende eines beleuchteten Flurs – symbolisiert Unruhe und Orientierungssuche in den Abendstunden (Sundowning).

Was genau passiert beim Sundowning?


Sundowning beschreibt eine Phase am späten Nachmittag oder Abend, in der Menschen mit Demenz verstärkt Symptome wie Unruhe, Aggression, Angst oder Orientierungslosigkeit zeigen. Manche werden ruhelos und wollen „nach Hause“, andere suchen jemanden oder beginnen, ziellos umherzulaufen.


Dabei geht es nicht um Trotz oder Widerstand – sondern um das, was Demenz im Gehirn verändert: Reize werden schwerer verarbeitet, Orientierung nimmt ab, und bekannte Muster verlieren an Bedeutung.


Wenn das Tageslicht schwindet, wird das Nervensystem anfälliger für Überforderung. Und das Gehirn, ohnehin im Ausnahmezustand, sucht nach Halt.



Warum tritt Sundowning auf?


Die Ursachen sind komplex. Licht spielt eine große Rolle: Wenn der Tag dunkler wird, verändert sich die Hormonbalance – Melatonin steigt, der innere Rhythmus verschiebt sich. Bei Menschen mit Demenz gerät dieser Ablauf leicht aus dem Gleichgewicht.


Auch Überreizung trägt bei. Nach einem Tag voller Geräusche, Gespräche und Aktivitäten ist das Gehirn schlicht erschöpft. Der Abend wird dann zur „emotionalen Entladung“.

Hinzu kommen Gefühle wie Verlust, Sehnsucht oder Einsamkeit – besonders, wenn die vertrauten Bezugspersonen nicht da sind.



Was hilft bei Sundowning?


Junge Frau hält im Park die Hände eines älteren Mannes mit Demenz und spricht beruhigend mit ihm – Sinnbild für Nähe, Sicherheit und Orientierung bei Sundowning.

Hier gilt: weniger Aktion, mehr Struktur und Geborgenheit. Routine ist dein stärkster Verbündeter. Ein gleichmäßiger Tagesablauf mit klaren Ritualen – etwa gemeinsames Abendessen, ruhige Musik oder eine kleine Massage – signalisiert Sicherheit.


Auch Licht wirkt therapeutisch: Sanftes, warmes Licht am Abend verhindert, dass der Körper zu früh in die „Nachtphase“ rutscht. Bewegung am Nachmittag hilft, Spannungen abzubauen.


Sprich ruhig, langsam, mit wenig Worten. Reagiere nicht auf das Verhalten, sondern auf das Gefühl dahinter – meist ist es Angst oder Orientierungslosigkeit.



Und was ist mit den Pflegenden selbst?


Sundowning betrifft nie nur die Betroffenen – es betrifft das gesamte Umfeld. Wer abends ständig wachsam bleiben muss, wird selbst müde, gereizt oder verzweifelt. Deshalb ist es kein Luxus, sondern Notwendigkeit, auch an dich zu denken.


Plane Pausen ein. Bitte um Hilfe. Und erinnere dich: Du kannst nicht alles verhindern, aber du kannst das Erleben menschlicher gestalten.



Fazit: Verstehen statt bekämpfen


Sundowning bei Demenz ist kein „Fehlverhalten“ – es ist Ausdruck eines Gehirns, das müde ist und Halt sucht. Wenn wir es so sehen, verliert die Situation an Bedrohung.


Wer Menschen mit Demenz am Abend begleitet, begleitet sie nicht nur durch eine Tageszeit – sondern durch einen Moment, in dem Nähe und Sicherheit wichtiger sind als alles andere.


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