Hinlauftendenz und Weglauftendenz bei Demenz – was der Unterschied bedeutet
- Mefküre Ülker

- 4. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. Dez. 2025
Warum die Unterscheidung von Hinlauftendenz und Weglauftendenz bei Demenz wichtig ist
Wenn Menschen mit Demenz scheinbar „weglaufen“, steckt dahinter fast nie eine Flucht, sondern ein Ziel oder ein Schutzbedürfnis.
Genau hier setzt die Unterscheidung von Hinlauftendenz und Weglauftendenz bei Demenz an: Sie hilft zu verstehen, ob jemand auf etwas Vertrautes zugeht oder sich von etwas Belastendem entfernt.
Ob jemand hinläuft oder wegläuft, macht in der Beurteilung und im Umgang einen großen Unterschied – vor allem für die Sicherheit, die Selbstbestimmung und das Verständnis der Situation.
Mehr Informationen zum professionellen Umgang mit Demenz findest du in meiner Demenzberatung.

Hinlauftendenz – auf dem Weg zu etwas Vertrautem
Von einer Hinlauftendenz spricht man, wenn eine Person mit Demenz irgendwohin will – etwa nach Hause, zur Arbeit, zu den Kindern oder an einen Ort, der in ihrer Erinnerung eine wichtige Rolle spielt. Das Ziel steht dabei im Vordergrund, nicht das „Weglaufen“. Oft handelt es sich um den Versuch, Orientierung, Sicherheit oder Kontrolle zurückzugewinnen.
Beispiel: Eine Bewohnerin verlässt das Pflegeheim, weil sie „nach Hause muss, die Kinder warten“. In Wahrheit erinnert sie sich an ihre frühere Lebensrolle – nicht an den realen Alltag.
Ziel: Wiederherstellung von Sinn, Identität und gewohnter Sicherheit.
Wenn solche Situationen häufiger auftreten, kann eine neuropsychologische Begutachtung wertvolle Hinweise zur kognitiven Situation geben.
Weglauftendenz – wenn Überforderung oder Angst dahinterstecken

Bei einer Weglauftendenz steht die Flucht im Vordergrund: vor einer Situation, einer Reizüberflutung oder einem Gefühl von Bedrohung. Sie kann ausgelöst werden durch Stress, Überforderung, Schmerzen oder auch ein ungünstiges Umfeld (z. B. zu viele Reize, laute Geräusche, fremde Personen).
Beispiel: Ein Mann mit Demenz verlässt den Aufenthaltsraum, weil er sich dort unwohl und beobachtet fühlt. Sein Verhalten ist eine Schutzreaktion, kein unkontrolliertes Weglaufen.
Ziel: Distanz schaffen zu einem überfordernden Reiz oder einer unangenehmen Emotion.
Praktische Tipps zum Umgang mit Hinlauf- und Weglauftendenz - Wie Pflege und Angehörige richtig reagieren können
Zuerst verstehen, nicht bewerten. Warum geht jemand? Wonach sucht er oder sie?
Hinlauftendenz: vertraute Rituale anbieten, z. B. Spaziergänge „nach Hause begleiten“ statt aufhalten.
Weglauftendenz: Auslöser erkennen – Lärm, Stress, Überforderung – und das Umfeld anpassen.
Orientierungshilfen: Fotos, vertraute Gegenstände oder klare Tagesstrukturen helfen, Sicherheit zu geben.
Beziehung statt Kontrolle: Gespräche auf Augenhöhe, kurze Sätze, ruhige Stimme.
Fazit
Menschen mit Demenz laufen nicht weg – sie gehen auf die Suche.
Mal nach einem Ort, mal nach Geborgenheit oder Ruhe.
Wer den Unterschied zwischen Hinlauf- und Weglauftendenz versteht, kann nicht nur sicherer handeln, sondern menschlicher begleiten.




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