Was bedeutet es, Demenz wirklich zu verstehen?
- Mefküre Ülker

- 2. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. Dez. 2025
Mehr als Vergessen
Demenz ist kein plötzlicher Bruch im Leben – sie ist ein leiser Wandel. Ein Prozess, der Erinnerungen verändert, Sprache verschwinden lässt und doch neue Formen der Nähe entstehen lässt. Wer Demenz verstehen will, muss tiefer schauen: Es geht nicht nur um Symptome, sondern um Menschen, Beziehungen und Identität.
Verstehen heißt: begreifen, was bleibt – nicht nur, was verschwindet.

Demenz verstehen heißt: Wandel begreifen, nicht Verlust zählen
Viele verbinden Demenz mit dem Wort Vergessen. Doch dahinter steckt mehr als Gedächtnisverlust.
Das Gehirn verändert sich – aber der Mensch bleibt. Gefühle, Reaktionen, Vorlieben, das Bedürfnis nach Geborgenheit – all das bleibt spürbar.
Gerontopsychologisch betrachtet bedeutet das: Kommunikation verändert sich, aber Beziehung bleibt möglich.
Wenn wir verstehen, wie Wahrnehmung, Zeitgefühl und Sprache sich verschieben, können wir Menschen mit Demenz besser begleiten – ohne zu überfordern, ohne zu urteilen.
Warum Verhalten keine „Probleme“, sondern Botschaften sind
Unruhe, Rückzug oder Aggression sind keine „Symptome“, sondern Ausdruck von Bedürfnissen. Wenn jemand immer wieder „nach Hause“ möchte, kann das heißen:„Ich sehne mich nach Sicherheit.“Wenn jemand Pflege ablehnt, bedeutet es vielleicht:„Ich möchte nicht die Kontrolle verlieren.“
Verstehen heißt deshalb: übersetzen statt bewerten. Diese Haltung verändert den Blick – von Defizit zu Bedeutung.
Kulturelle Unterschiede: Warum Verständnis Kontexte braucht
In vielen Kulturen gilt Vergesslichkeit als Alterserscheinung oder sogar als göttliche Prüfung. Familien sprechen ungern über Diagnosen, aus Sorge vor Stigmatisierung oder Gerede. Das führt dazu, dass viele Betroffene zu spät Hilfe erhalten.
Kultursensible Demenzarbeit bedeutet, diese Perspektiven zu respektieren und Brücken zu bauen: Verstehen entsteht dort, wo wir Sichtweisen ernst nehmen und Vertrauen ermöglichen.
Was hilft, Demenz besser zu verstehen
Wissen: über Formen, Ursachen und Verlauf.
Geduld: mit den Betroffenen – und mit sich selbst.
Beziehung: Nähe statt reine Betreuung.
Selbstfürsorge: Verständnis wächst nur im Gleichgewicht.
Demenz zu verstehen ist kein einmaliger Moment. Es ist ein Weg, der mit jedem Gespräch, jeder Begegnung tiefer wird.
Fazit: Verstehen ist eine Haltung
Demenz zu verstehen bedeutet, nicht aufzugeben, was möglich bleibt. Es heißt, Menschlichkeit zu sehen – auch da, wo Sprache verschwindet. Und es heißt, sich selbst zu fragen:„Wie kann ich Beziehung leben, wenn Erinnerung sich verändert?“
Verstehen ist kein Ziel, sondern ein Weg. Ein Weg, den wir gemeinsam gehen können – mit Wissen, Empathie und Haltung.




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