Antikörper-Therapie bei Alzheimer – schneller, sauberer Überblick
- Mefküre Ülker

- 2. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. Dez. 2025
Warum dieser Überblick wichtig ist
Die Antikörper-Therapie gegen Alzheimer ist seit April 2025 in der EU (EMA) für Lecanemab (Leqembi®) zugelassen. Sie gilt als einer der wichtigsten Fortschritte der letzten Jahre – kein Heilmittel, aber eine messbare Verlangsamung des Krankheitsverlaufs in der frühen Phase der Erkrankung.

Kernaussagen auf einen Blick
Zulassung (EU): Lecanemab (Leqembi®) seit April 2025. Donanemab ist in der EU nicht zugelassen.
Zielgruppe: MCI (leichte kognitive Störung) oder leichte Alzheimer-Demenz mit klinisch gesicherter Amyloid-Pathologie (Amyloid-PET oder Liquor-Biomarker).
APOE-Kriterium (EU-Label): APOE-ε4-Homozygote sind ausgeschlossen. Zugelassen sind Nicht-Träger und Heterozygote (nach Aufklärung/Genetik).
Gabe: 10 mg/kg i. v. alle 2 Wochen in zugelassenen Zentren.
Nutzen: In Studien ~27 % relative Verlangsamung der klinischen Verschlechterung über 18 Monate (z. B. CDR-SB) – Verlangsamung, kein Stopp.
Kontrollen/Monitoring: MRT vor Therapiebeginn und zusätzlich vor der 5., 7. und 14. Infusion, sowie symptomgetriggert (z. B. Kopfschmerz, Verwirrtheit, Sehstörung).
EU vs. USA: Ein monatlicher Erhaltungsrhythmus ist EU-weit kein Standard (US-Label kennt diese Option, die EU-Fachinformation nicht).
Was bedeutet Antikörper-Therapie bei Alzheimer?
Antikörper wie Lecanemab binden Amyloid-Ablagerungen im Gehirn (fibrilläre Aβ-Strukturen). Durch Bindung und Abbau dieser Ablagerungen sollen entzündliche Prozesse reduziert und das klinische Fortschreiten verlangsamt werden.
Donanemab verfolgt ein ähnliches Ziel, ist in der EU jedoch nicht zugelassen.
Für wen ist die Therapie geeignet?
Die EU-Zulassung richtet sich an Menschen mit;
leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI) oder leichter Alzheimer-Demenz,
nachgewiesener Amyloid-Pathologie (z. B. durch Amyloid-PET oder Liquor-Biomarker),
stabilem Allgemeinzustand und Bereitschaft zu regelmäßigen Kontrollen.
EU-Besonderheit (wichtig):
APOE-ε4-Homozygote sind ausgeschlossen (erhöhtes ARIA-Risiko).
APOE-ε4-Heterozygote und Nicht-Träger sind zugelassen.
Vor Beginn erfolgt eine genetische Aufklärung und – wenn klinisch sinnvoll – eine APOE-Testung.
Welche Chancen und Grenzen gibt es?
In der zulassungsrelevanten Studie (CLARITY-AD) verlangsamte Lecanemab das klinische Fortschreiten um ~27 % relativ über 18 Monate (u. a. CDR-SB).
Der absolute Effekt liegt im niedrigen Zehntel-Punkte-Bereich – klinisch messbar, aber moderat.
Wichtig: Die Therapie stoppt die Krankheit nicht und macht sie nicht rückgängig. Wirkung und Verträglichkeit sind individuell und hängen von Stadium, Begleiterkrankungen und Genetik ab.
Ziel ist es, Selbstständigkeit und Alltagsfähigkeiten länger zu erhalten.
Risiken und Nebenwirkungen (inkl. Monitoring)

Die zentrale, therapietypische Nebenwirkung heißt ARIA (Amyloid-Related Imaging Abnormalities).
ARIA-E (Ödem) und ARIA-H (Mikro-/Makroblutungen) sind meist im MRT erkennbar, oft asymptomatisch, können aber mit Kopfschmerz, Verwirrtheit, Sehstörungen oder fokalen Ausfällen einhergehen.
Standard-Monitoring (EU-Praxis):
MRT vor Therapiebeginn,
MRT vor der 5., 7. und 14. Infusion,
zusätzlich symptomgetriggert (bei Verdacht auf ARIA).
APOE-ε4-Träger:innen haben ein höheres ARIA-Risiko → genetische Beratung/Testung vor Start ist essenziell.
Patient:innen erhalten eine Symptom-Checkliste und klare Notfallwege im Zentrum.
Wie läuft die Behandlung praktisch ab?
Dosierung/Intervall: 10 mg/kg intravenös alle 2 Wochen.
Ort: Ausschließlich in zugelassenen Zentren mit Erfahrung in Diagnostik, Infusionsabläufen, MRT-Monitoring und Notfallmanagement.
Begleitende Bausteine:
Lebensstil-Therapie (Bewegung, Schlaf, Ernährung, soziale Aktivität),
Behandlung von Begleiterkrankungen (z. B. Hypertonie, Vorhofflimmern),
Hinweis: Der in manchen US-Quellen erwähnte monatliche Erhaltungsrhythmus ist kein EU-Standard. Für die EU gilt der 2-Wochen-Rhythmus.
Was bedeutet das für Angehörige?
Die Therapie kann eine neue Perspektive und Hoffnung geben – sie erfordert aber Organisation, Aufklärung und Begleitung.
Ein strukturiertes Gespräch mit Fachleuten hilft, Erwartungen zu klären, Entlastung zu planen und Warnzeichen (ARIA) zu kennen.
Fazit
Die Antikörper-Therapie ist kein Heilmittel, aber ein relevanter Schritt nach vorn, wenn sie früh, gezielt und gut begleitet eingesetzt wird – und unter EU-Bedingungen (inkl. APOE-ε4-Kriterium und engmaschigem MRT-Monitoring).
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