top of page

Alzheimer-Krankheit: Ursachen und Veränderungen im Gehirn

Autorenbild: Mefküre Ülker
Mefküre Ülker
11. Okt.
4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Die Alzheimer-Krankheit ist eine fortschreitende Erkrankung des Gehirns. Im Verlauf werden Nervenzellen und ihre Verbindungen geschädigt. Das kann Gedächtnis, Denken und die Fähigkeit beeinträchtigen, den Alltag selbstständig zu gestalten. Alzheimer lässt sich deshalb nicht ausreichend mit dem Begriff „Vergesslichkeit“ beschreiben.


An der Entstehung sind verschiedene biologische Prozesse beteiligt. Warum die Erkrankung bei manchen Menschen auftritt und unterschiedlich schnell fortschreitet, ist noch nicht vollständig geklärt.


Mikroskop im Labor mit Glasflaschen und Objektträgern; im Hintergrund untersucht eine Wissenschaftlerin Proben.

Sind Alzheimer und Demenz dasselbe?

Alzheimer bezeichnet eine bestimmte Erkrankung. Demenz beschreibt dagegen ein Syndrom: Geistige Fähigkeiten wie Gedächtnis, Sprache, Orientierung oder Urteilsvermögen sind so beeinträchtigt, dass die Selbstständigkeit im Alltag eingeschränkt wird.


Alzheimer ist die häufigste Ursache einer Demenz. Es gibt jedoch weitere Erkrankungen, die eine Demenz verursachen können. Außerdem können mehrere Krankheitsprozesse zusammenkommen, beispielsweise Alzheimer-Veränderungen und Schädigungen der Blutgefäße im Gehirn. Nicht jede Vergesslichkeit bedeutet daher Demenz, und nicht jede Demenz ist Alzheimer.


Was verändert sich bei Alzheimer im Gehirn?

Nervenzellen tauschen Informationen aus und arbeiten in Netzwerken zusammen. Bei Alzheimer werden diese Verbindungen und die Funktion der Zellen zunehmend beeinträchtigt.


Amyloid-Beta ist ein Eiweißfragment, das auch im gesunden Gehirn entsteht. Bei Alzheimer können sich bestimmte Formen zu kleinen Ansammlungen und größeren Ablagerungen zwischen den Nervenzellen zusammenlagern. Diese sogenannten Plaques stehen mit Prozessen in Verbindung, die die Kommunikation zwischen den Zellen stören.


Tau ist ein Eiweiß, das normalerweise das innere Gerüst der Nervenzelle stabilisiert und damit den Transport innerhalb der Zelle unterstützt. Bei Alzheimer verändert sich Tau und kann sich zu Faserbündeln zusammenlagern. Diese liegen innerhalb der Nervenzellen und beeinträchtigen deren Funktion.


Auch Gliazellen, die Nervenzellen versorgen und schützen, sind beteiligt. Mikroglia übernehmen Aufgaben der Immunabwehr und beseitigen Zellreste. Astrozyten unterstützen unter anderem den Stoffwechsel und das chemische Gleichgewicht. Veränderte Reaktionen dieser Zellen und anhaltende Entzündungsprozesse können zur Schädigung beitragen.


Diese Vorgänge beeinflussen sich gegenseitig. Mit dem Verlust von Nervenzellen kann auch das Volumen betroffener Gehirnregionen abnehmen.


Warum erkranken manche Menschen an Alzheimer?

Hohes Alter ist der wichtigste bekannte Risikofaktor. Alzheimer ist dennoch keine normale oder unausweichliche Folge des Älterwerdens.


Bei den meisten Menschen lässt sich die Erkrankung nicht auf eine einzelne Ursache zurückführen. Altersbedingte Veränderungen, genetische Einflüsse, die allgemeine Gesundheit und Lebensbedingungen wirken zusammen. Auch die Gefäßgesundheit ist bedeutsam. Bluthochdruck und Diabetes gehören deshalb zu den Faktoren, die bei der Beurteilung der kognitiven Gesundheit berücksichtigt werden.


Genetische Einflüsse haben unterschiedliche Bedeutung: Manche Varianten erhöhen das Erkrankungsrisiko, ohne zwangsläufig zu Alzheimer zu führen. Bei seltenen erblichen Formen können bestimmte Genveränderungen dagegen unmittelbar an der Krankheitsentstehung beteiligt sein.


Eine Alzheimer-Erkrankung in der Familie bedeutet somit nicht automatisch, dass Angehörige ebenfalls erkranken werden. Besonders bei einem ungewöhnlich frühen Erkrankungsbeginn oder mehreren betroffenen Familienmitgliedern können eine ärztliche Beurteilung und gegebenenfalls eine genetische Beratung sinnvoll sein.


Veränderungen können lange vor den ersten Beschwerden beginnen

Biologische Veränderungen können bereits Jahre vor deutlich bemerkbaren Gedächtnis- oder Denkproblemen auftreten. Der Beginn dieser Prozesse und der Beginn von Einschränkungen im Alltag fallen deshalb nicht zusammen.


Ein auffälliger Alzheimer-Biomarker bedeutet für sich genommen jedoch nicht, dass bereits eine Demenz vorliegt. Er zeigt auch nicht allein, wie selbstständig eine Person lebt oder welche Unterstützung sie benötigt.


Biologische Befunde, geistige Leistungsfähigkeit und Fähigkeiten im Alltag müssen gemeinsam betrachtet werden. Auch weitere Erkrankungen können zu vorhandenen Beschwerden beitragen.

Wie sind neue Antikörpertherapien einzuordnen?

In der Europäischen Union sind die Antikörper Lecanemab (Leqembi) und Donanemab (Kisunla) für bestimmte frühe Stadien der Alzheimer-Krankheit zugelassen. Sie richten sich gegen Amyloid-Beta und können den Rückgang geistiger Fähigkeiten und der Alltagsfunktion verlangsamen. Sie heilen die Erkrankung nicht.


Die Zulassungen betreffen Menschen mit einer leichten kognitiven Störung oder einer leichten Demenz aufgrund von Alzheimer. Voraussetzung sind unter anderem bestätigte Amyloid-Veränderungen und bestimmte genetische Merkmale: Die Behandlung ist für Personen mit keiner oder einer Kopie der Genvariante APOE-ε4 vorgesehen.


Die Behandlung erfordert eine spezialisierte ärztliche Beurteilung und vorgeschriebene MRT-Kontrollen. Mögliche Nebenwirkungen sind Hirnschwellungen und Hirnblutungen, zusammengefasst unter dem Begriff ARIA. Diese können schwerwiegend sein. Ob eine Behandlung infrage kommt, hängt deshalb auch von weiteren Befunden, Begleiterkrankungen und dem individuellen Nutzen-Risiko-Verhältnis ab.


Wie sollten Gedächtnis- und Denkprobleme abgeklärt werden?

Wer wiederholt kürzlich Erlebtes vergisst, zunehmend nach Wörtern sucht oder vertraute Aufgaben schlechter bewältigt, sollte die Veränderungen ärztlich abklären lassen. Solche Beschwerden erlauben allein noch keine Alzheimer-Diagnose.


Zur Abklärung gehören der zeitliche Verlauf, die Auswirkungen auf den Alltag, die Krankengeschichte und die eingenommenen Medikamente. Auch Schlafprobleme, Depressionen und andere gesundheitliche Ursachen können eine Rolle spielen.


Je nach Fragestellung werden kognitive Untersuchungen, Laboruntersuchungen, bildgebende Verfahren und Alzheimer-Biomarker eingesetzt. Eine hausärztliche Praxis kann die ersten Schritte einleiten und bei Bedarf an eine spezialisierte Fachpraxis oder Gedächtnisambulanz überweisen. Ein einzelner Testwert reicht nicht aus, um eine Alzheimer-Krankheit festzustellen.

Was kann gerontopsychologische Diagnostik beitragen?

Gerontopsychologische Diagnostik betrachtet geistige Fähigkeiten im Zusammenhang mit der persönlichen Lebenssituation. Dabei werden beispielsweise Bildungsbiografie, verwendete Sprache, kultureller Hintergrund, emotionale Verfassung und Beobachtungen nahestehender Menschen berücksichtigt.


Sie kann die ärztliche Abklärung ergänzen und helfen, Schwierigkeiten sowie erhaltene Fähigkeiten genauer einzuordnen. Daraus lassen sich Hinweise für Kommunikation, Unterstützung und die Gestaltung des Alltags ableiten.


Alzheimer zu verstehen bedeutet deshalb auch, wahrzunehmen, was ein Mensch weiterhin selbstständig tun kann, was ihm wichtig ist und wobei er Unterstützung benötigt.


Wenn Sie kognitive Veränderungen bei sich oder einem Angehörigen besser einordnen möchten, können Sie sich über mein Angebot zur gerontopsychologischen Diagnostik informieren.


Quellen



Quellen zuletzt geprüft: 31. Oktober 2026.

Kommentare


Mefküre Ülker Consulting

Gerontopsychologische Diagnostik und fachliche Einordnung komplexer Demenzsituationen mit einem Schwerpunkt auf kultursensibler Versorgung. Beratung für Angehörige sowie Fortbildungen und fallbezogene Fachberatung für Fachkräfte und Einrichtungen.

​

Gerontopsychologische Untersuchungen finden im persönlichen Kontakt statt. Gespräche mit Angehörigen und Fachkräften können je nach Fragestellung auch online durchgeführt werden.

Im Zollhafen 18, 50678 Köln

+49 (0) 2233 8059233

RECHTLICHE HINWEISE

FOLGEN SIE MIR

  • LinkedIn sembolü
  • Instagram sembolü
  • YouTube sembolü
  • Facebook sembolü

Fachlicher Hinweis: Die Informationen auf dieser Webseite dienen der allgemeinen Orientierung. Die angebotene gerontopsychologische Diagnostik und Beratung ersetzen keine ärztliche Untersuchung, medizinische Diagnosestellung oder medizinische Notfallversorgung.

bottom of page