Demenzprävention: Was das Erkrankungsrisiko senken kann

Demenzprävention setzt an beeinflussbaren Risikofaktoren an. Sie kann dazu beitragen, eine Erkrankung zu verhindern oder ihren Beginn hinauszuzögern. Einen sicheren Schutz bietet sie jedoch nicht. Auch Menschen, die gesund leben, können an einer Demenz erkranken.
Prävention betrifft den gesamten Lebensverlauf. Manche Risiken wirken bereits im mittleren Lebensalter, lange bevor Gedächtnisprobleme auftreten. Gleichzeitig können gesundheitsfördernde Veränderungen auch später noch sinnvoll sein.

Was bedeutet die Schätzung von 45 Prozent?
Die Lancet-Kommission hat 2024 insgesamt 14 potenziell beeinflussbare Risikofaktoren beschrieben. Nach ihrer Modellrechnung könnten weltweit rund 45 Prozent der Demenzfälle theoretisch vermieden oder hinausgezögert werden, wenn diese Faktoren beseitigt werden könnten.
Diese Zahl beschreibt ein Präventionspotenzial auf Bevölkerungsebene. Sie bedeutet nicht, dass eine einzelne Person ihr Erkrankungsrisiko um 45 Prozent senken kann. Wie viel sich tatsächlich erreichen lässt, hängt unter anderem davon ab, welche Risiken vorliegen und wie wirksam sie beeinflusst werden können.
Gefäßgesundheit medizinisch begleiten
Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte LDL-Cholesterinwerte gehören zu den gesundheitlichen Faktoren, die bei der Demenzprävention berücksichtigt werden. Auch Adipositas spielt eine Rolle.
Besprechen Sie mit Ihrer hausärztlichen Praxis, welche Kontrollen und Behandlungen für Sie sinnvoll sind. Bereits verordnete Medikamente sollten entsprechend der ärztlichen Empfehlung eingenommen werden. Behandlungsziele richten sich nach der persönlichen gesundheitlichen Situation.
Wer raucht, kann durch einen Rauchstopp mehrere Gesundheitsrisiken verringern. Unterstützung bei der Entwöhnung kann diesen Schritt erleichtern. Übermäßiger Alkoholkonsum sollte vermieden werden.
Regelmäßig in Bewegung bleiben
Körperliche Aktivität unterstützt die Herz-Kreislauf-Gesundheit und ist ein wichtiger Bestandteil der Demenzprävention. Dafür kommen unterschiedliche Formen infrage: zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder andere Aktivitäten, die zur eigenen Gesundheit und Beweglichkeit passen.
Als allgemeine Orientierung empfiehlt die WHO Erwachsenen wöchentlich 150 bis 300 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität oder eine entsprechende Menge intensiverer Aktivität. Hinzu kommen muskelkräftigende Übungen an mindestens zwei Tagen pro Woche.
Wer bisher wenig aktiv ist, kann mit einem passenden Umfang beginnen. Auch kürzere Bewegungseinheiten zählen. Bei gesundheitlichen Einschränkungen sollte die Belastung individuell abgestimmt werden. Für ältere Menschen sind zusätzlich Übungen für Gleichgewicht und Kraft bedeutsam.
Hörverlust und Sehprobleme berücksichtigen
Schwerhörigkeit sollte frühzeitig abgeklärt werden. Passende Hörhilfen können die Verständigung und die Teilnahme an Gesprächen erleichtern. Die WHO empfiehlt seit 2026 bedingt, Hörgeräte bei bestehendem Hörverlust auch zur Verringerung des Risikos eines kognitiven Abbaus oder einer Demenz anzubieten. Die Sicherheit der zugrunde liegenden Evidenz ist allerdings begrenzt.
Auch Sehprobleme verdienen eine angemessene Untersuchung und Behandlung. Obwohl Sehverlust mit einem erhöhten Demenzrisiko zusammenhängt, ist bislang nicht ausreichend belegt, dass seine Behandlung gezielt Demenzerkrankungen verhindert.
Geistig und sozial aktiv bleiben
Lernen, Lesen, Musizieren oder ein Ehrenamt können geistige Anregung und Austausch ermöglichen. Welche Beschäftigung passt, hängt von den eigenen Interessen und Lebensbedingungen ab.
Regelmäßige Kontakte lassen sich häufig leichter aufrechterhalten, wenn sie einen festen Platz im Alltag haben. Das kann eine gemeinsame Aktivität, eine Gruppe oder eine verlässliche Verabredung sein.
Gedächtnisspiele und Trainingsprogramme können bestimmte geistige Leistungen verbessern. Daraus lässt sich jedoch nicht automatisch ableiten, dass sie langfristig eine Demenz verhindern.
Ausgewogen essen
Für die Prävention ist eine langfristig ausgewogene Ernährung sinnvoll. Dazu können reichlich Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte und Nüsse sowie geeignete pflanzliche Öle gehören. Die konkrete Gestaltung darf sich an kulturellen Gewohnheiten, persönlichen Vorlieben und verfügbaren Lebensmitteln orientieren.
Für Vitamin-B- oder Vitamin-E-Präparate, Omega-3-Kapseln und Multivitaminpräparate empfiehlt die WHO ohne nachgewiesenen Mangel keine Einnahme zur Demenzprävention. Ein festgestellter Nährstoffmangel wird dagegen gezielt medizinisch behandelt.
Psychische Gesundheit und Schlaf ernst nehmen
Depressive Beschwerden sollten erkannt und angemessen behandelt werden. Sie können den Alltag erheblich beeinträchtigen und es erschweren, Kontakte aufrechtzuerhalten oder aktiv zu bleiben.
Anhaltende Schlafprobleme gehören ebenfalls abgeklärt. Guter Schlaf ist für Gesundheit und Wohlbefinden wichtig. Ob die Behandlung von Schlafstörungen langfristig das Demenzrisiko senkt, ist bisher nicht ausreichend nachgewiesen.
Was kombinierte Präventionsprogramme zeigen
Viele Menschen haben mehrere Risikofaktoren gleichzeitig. Deshalb untersuchen Präventionsprogramme häufig eine Kombination verschiedener Maßnahmen.
In der 2025 veröffentlichten US-POINTER-Studie wurden über zwei Jahre zwei Lebensstilprogramme bei Menschen mit erhöhtem Risiko für einen kognitiven Abbau verglichen. Beide umfassten Bewegung, Ernährung, geistige und soziale Aktivität sowie die Kontrolle der Herz-Kreislauf-Gesundheit. Die intensiver begleitete Gruppe erzielte im Durchschnitt etwas größere Verbesserungen der gemessenen geistigen Leistungen.
Untersucht wurden dabei vor allem kognitive Testergebnisse. Ob das Programm langfristig auch zu weniger Demenzerkrankungen führt, müssen weitere Beobachtungen klären.
Prävention muss im Alltag möglich sein
Gesundheitliche Einschränkungen, finanzielle Belastungen oder fehlende Angebote können Veränderungen erschweren. Auch Bildungszugang und die Wohnumgebung beeinflussen die Möglichkeiten zur Prävention. Zu weiteren Ansatzpunkten gehören der Schutz vor Kopfverletzungen und eine geringere Belastung durch Luftschadstoffe.
Verständliche Informationen in der bevorzugten Sprache, erreichbare Bewegungsangebote und ein guter Zugang zur medizinischen Versorgung erleichtern es, Empfehlungen umzusetzen.
Ein sinnvoller Einstieg ist, vorhandene Risiken gemeinsam mit der hausärztlichen Praxis einzuordnen und konkrete nächste Schritte festzulegen. Welche Veränderung zuerst angegangen wird, sollte sich an der gesundheitlichen Bedeutung und den persönlichen Möglichkeiten orientieren.
Quelle
World Health Organization, 2026: Risk reduction of cognitive decline and dementia: WHO guidelines, second edition.
World Health Organization, 2026: New WHO guidelines: up to 45% of dementia risk could be prevented or delayed.
Livingston, G. und Mitarbeitende, 2024: Dementia prevention, intervention, and care: 2024 report of the Lancet standing Commission.
World Health Organization: Physical activity.
World Health Organization: Dementia.
NHS: Can dementia be prevented? und Alzheimer’s disease – Prevention.
Baker, L. D. und Mitarbeitende, 2025: Structured vs Self-Guided Multidomain Lifestyle Interventions for Global Cognitive Function: The US POINTER Randomized Clinical Trial.
Quellen zuletzt geprüft: 1. November 2026.

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